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Mary Wollstonecraft


Philosophin des Monats April 2009


Teach them to think“, mit dieser Forderung wollte die Philosophin Mary Wollstonecraft auf die Missstände in der Mädchenbildung ihrer Zeit aufmerksam machen. Viele Frauen, auch der besseren Gesellschaft, konnten kaum Lesen und Schreiben. Während man für die Jungen Privatlehrer engagierte, schien eine solche Investition für Mädchen überflüssig. Das Bürgertum war auch damals der Meinung, dass ein Mädchen später nur eine Tätigkeit ausüben würde, die der Ehefrau und Mutter und das erfordere keine Bildung.

Wollstonecraft versucht mit ihrem wichtigsten Text A Vindication of the rights of Women klar zu machen, dass Frauen sehr wohl Bildung benötigen, nämlich die Bildung ihres Verstandes und ihrer Moral. Ohne die Hauptaufgabe der Frauen in Zweifel zu ziehen, macht sie deutlich, dass auch diese Aufgabe eine Vorbereitung erfordere.

Wollstonecrafts Erfahrungen als Gouvernante haben ihr besonderes Augenmerk auf die intellektuelle Bildung, das Wecken und Trainieren des Verstandes gelegt. Mit ihren Argumenten schaltete sie sich in die zeitgenössische Diskussion um die Existenz der weiblichen Vernunft ein. Darin federführend war damals Jean-Jacques Rousseau, der mit seinem Erziehungsroman Emile (1762) die Unterlegenheit des weiblichen Geistes einmal mehr manifestiert hat.

Gegen ihn und andere, auch religiöse Führer wandte sich Wollstonecraft mit ihrer 1792 veröffentlichten Vindication of the Rights of Woman. Ihre Rehabilitierung der Frauen beginnt sie mit einer Betrachtung der Rechte und Pflichten des Menschen, der sie drei Thesen voranstellt: Worin besteht die Überlegenheit der Menschen über die Tierwelt? In der Vernunft. Was ist der selbst erworbene Vorzug, der ein vernünftiges Wesen über andere stellt? Die Tugend. Zu welchem Zweck wurden den Menschen die Leidenschaften gegeben? Der Kampf mit ihnen soll zu Erkenntnis und Erfahrung anleiten.

Als Aufklärerin sieht Wollstonecraft die Vernunft als das zentrale Charakteristikum, das die Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Es gibt zwar Menschen, die ihre Vernunft nicht ausgebildet und ihren Verstand nicht kultiviert haben, aber die Ursache dafür liegt für Wollstonecraft eher in ihrer Sozialisation als in ihrer Natur. Alle Menschen, egal welchen Geschlechts oder welcher Klasse, sind nach ihrer Meinung zur Vernunft fähig, denn sie sieht diese als Geschenk Gottes. Den Frauen die Kraft ihres Geistes vorzuenthalten, widerspreche deshalb dem christlichen Glauben. Vernunft könne nicht im Besitz nur eines Geschlechtes sein, denn sie ist eine unsterbliche Qualität des Menschen; die Förderung der Vernunft ist seine Lebensaufgabe.



Auszug aus dem Philosophinnen-Lexikon


englische, feministisch-politische Philosophin,
*27. April 1759 in Epping Forest, †1797
Die englische Philosophin W. ist eine der bekanntesten Denkerinnen des 18. Jahrhunderts. Ihre philosophischen Hauptwerke, A Vindication of the Rights of Men und A Vindication of the Rights of Woman gehören zu den wichtigsten Texten der weiblichen Philosophiegeschichte. Der Text, Verteidigung der Rechte der Frau, gilt als Klassiker der frühen feministischen Philosophie. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Vorstellung von der menschlichen Natur, die Wollstonecraft entwickelt, und die maßgebliche Auswirkungen auf die späteren Denkerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung hatte. Denn sie hinterfragt in ihren Texten die Macht-Ohnmacht-Struktur der Gesellschaft und bringt feste Gegenpole wie arm und reich, Mann und Frau, ins Wanken. Das Recht auf Bildung und auf freie Entfaltung für Frauen steht an der Spitze ihres darin formulierten  Forderungskataloges und das zu einer Zeit, in der Rousseau die Frau zur Ergänzung des Mannes und zum willig unterworfenen Geschlecht stempelte.
Werk: Posthumous Works, hg.v. W. Godwin, 4 Bände, 1798; The Collected Letters of Mary Wollstonecraft, hg.v. R. M. Wardle, 1979; The Works of Mary Wollstonecraft, Bände 1–7, hg.v. J. Todd/ M. Butler, 1989; Verteidigung der Menschenrechte (1790), 1996, Zur Verteidigung der Frauenrechte, 2008
Weiterführende Literatur: Philosophinnen-Lexikon, Die Welt der Philosophin III
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