MORATA, OLYMPIA FULVIA

italienisch/deutsche Philosophin, *1526 in Ferrara, 29. Oktober 1555
M. war die Tochter eines ehrgeizigen Vaters, der sie bereits sehr früh zum klassischen Studium anregte. Es ist überliefert, daß sie schon mit drei Jahren die Paradoxa des Cicero in Latein deklamieren konnte. Bereits mit 14 Jahren wurde sie in einem Katalog berühmter GegenwartsautorInnen aufgeführt. Ein Jahr später schrieb sie drei Essays über Ciceros Schrift Paradoxa Stoicorum, die sie als öffentliche Vorlesung an der herzoglichen Akademie vortrug. Sie verfaßte Dialoge in Griechisch und Latein, in denen sie Platon und Cicero imitierte. In den Wirren der Gegenreformation war die protestantische M. mit ihrem Mann praktisch ständig auf der Flucht. Das hat sich auch erschwerend auf ihr philosophisches Arbeiten ausgewirkt, denn ihr Werk ist nur zum geringen Teil überliefert worden.
Trotzdem ihre meisten Arbeiten verlorengingen, gilt M. als die bedeutendste weibliche Vertreterin des deutschen Humanismus im 16. Jahrhundert. Die gesamten erhaltenen lateinischen und griechischen Schriften und auch die beiden erhaltenen Dialoge sind 1570 in Basel unter dem Titel Olympiae Fulviae Moratae Foeminae Doctissimae ac plane Divinae Orationes, Dialogi, Epistolae, Carmina, tam Latina quam Graeca veröffentlicht worden.

Werk: Briefe, hg.v. Rainer Kößling, 1990; Olympiae Fulviae Moratae Foeminae Doctissimae ac plane Divinae Orationes, Dialogi, Epistolae, Carmina, tam Latina quam Graeca, 1570; Opera Omnia, 1580; Opusculi e Lettere di Riformatori Italiani del Cinquecento II, hg.v. Guiseppe Paladino, 1927 (enthält ihren Briefwechsel mit Curione).

Weiterführende Literatur Philosophinnen-Lexikon Die Welt der Philosophin II
 

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