MAYREDER, ROSA

österreichische Philosophin, *30. November 1858, 19. Januar 1938 in Wien
M. gehörte zu einem Kreis von freisinnigen Künstlern und Reformatoren, dem auch Marie Lang, Rudolf Steiner und Hugo Wolf angehörten.
Neben philosophischen Diskussionen trat M. auch politisch an die Öffentlichkeit, indem sie sich 1893 dem radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung anschloß. Zusammen mit Auguste Fickert wurde sie Vizepräsidentin des neugegründeten Allgemeinen Österreichischen Frauenvereines, was sie bis 1903 blieb. Als Forum für ihre politische Arbeit gründeten sie die Zeitschrift Dokumente der Frauen, deren Herausgeberinnen neben M. auch Fickert und Marie Lang waren. Daß die Frauenfrage trotzdem ihr persönliches Anliegen blieb, zeigen ihre Hauptwerke Zur Kritik der Weiblichkeit und Geschlecht und Kultur. Darin entwickelt sie Theorien zur Unabhängigkeit der Geschlechter und kritisiert intellektuelle Leitbilder ihrer Zeit wie Freud und Weininger. Außerdem befaßt sie sich mit den Themen Pazifismus, Frauen und Krieg sowie der Soziologie. Im Zusammenhang mit ihrer Analyse kritisiert M. die Zivilisation als Männerwerk. Was in der Geisteskultur völlig fehle, sei eine weibliche Seite, denn die sei für ein gesellschaftliches Gleichgewicht nötig.

Werk: Zur Kritik der Weiblichkeit, 1905, Geschlecht und Kultur, 1923, Der Corregidor (Opernlibretto), 1895; Tagebücher 18731937, hg.v. Harriet Anderson, 1988; Aus meiner Jugend, Novellen, 1896; Übergänge, Novellen, 1897; Die Abolitionisten-Föderation, 1898; Idole, 1899; Pipin. Ein Sommererlebnis, 1903, Zwischen Himmel und Erde, 1908; Der typische Verlauf sozialer Bewegungen, 1917; die Frau und der Internationalismus, 1921; Fabeleien über göttliche und menschliche Dinge, 1921, Askese und Erotik, 1926; Ideen der Liebe, 1927; Mensch und Menschlichkeit, 1928; Die Krise der Ehe, 1929, Der letzte Gott, 1933, Anda Renata. Ein Mysterium in zwei Teilen und zwölf Bildern, 1934; Gaben des Erlebens, Sprüche und Betrachtungen, 1935; Diana und Herodias, 1937; Krise der Väterlichkeit, hg.v. Käthe Braun-Prager 1963

Weiterführende Literatur Philosophinnen-Lexikon, Die Welt der Philosophin III
 

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