KRISTEVA, JULIA

*1940 in Bulgarien
Die Philosophin und Psychologin Julia Kristeva gehört zu den Wegbereiterinnen einer postmodernen Sprachtheorie. Auf der Grundlage der strukturalistischen Vorväter entwickelt sie einen komplexen Ansatz, der auf Sprache, Psychoanalyse und Politik gleichermaßen übertragen werden kann. Im Zentrum ihrer Theorie steht der Dualismus von symbolisch und semiotisch. Da die Philosophie eine Reihe solcher Spaltungen kennt, z.B. den Leib-Seele-Dualismus, mutet dieser Gedanke im ersten Moment traditionell an. Doch Kristeva geht es nicht so sehr darum, eine Zweiteilung zu manifestieren, sondern darum, die starre Trennung zu relativieren. Entscheidend an der Teilung von symbolisch und semiotisch ist nämlich der übergang, die Verbindung zwischen beiden. In der Sprache entsteht durch den Ausbruch des Semiotischen im Symbolischen der Sinngebungsprozeß; in der Psychoanalyse wird durch den Einfluß des Mütterlichen (Semiotischen) in die symbolische Männerwelt die ganzheitliche menschliche Entwicklung forciert und in der Politik wird der Einbuch des Fremden (Semiotisches) in das nationale Verständnis zur Revolte.

Werk: Semeiotikè, 1969; Probleme der Textstrukturation, in: Literaturwissenschaft und Linguistik II, hg.v. J. Ihwe, 1971, S. 484-507; Zu einer Semiologie der Paragramme, in: Strukturalismus als interpretatives Verfahren, hg.v. H. Gallas, 1972, S. 163-200; Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman, in: Literaturwissenschaft und Linguistik III, hg.v. J. Ihwe, 1972, S. 345-375; Produktivität der Frau, in: Alternative Zeitschrift für Literatur und Diskussion, 8/9, 1976, S. 166-172; Polylogue, 1977; Textsemiologie als Ideologiekritik, 1977; Die Revolution der poetischen Sprache, 1978; Le texte du roman, 1979; Kein weibliches Schreiben, in: Freibeuter 2, 1979, S. 79-84; Die Aktualität Célines, in: Literaturmagazin 10, 1979, S. 67-78; Desire in Language, 1980; Pouvoirs de l’horreur, 1980; Die Chinesin, 1982; Au commencement était l’amour, 1985; The Kristeva Reader, hg.v. T. Moi, 1986; Soleil noir, 1987; Geschichten von der Liebe, 1989; Fremde sind wir uns selbst, 1990; Lettre ouverte à Harlem Désir, 1990; Les Samourais, 1990; Le vieil homme et loups, 1991; Les nouvelles maladies de l’âme, 1993; Proust and the Sense of Time, 1993; Le temps sensible. Proust et l’expérience littéraire, 1994.
Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon   Bettina Schmitz: Die Unterwelt bewegen

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