KOLLONTAI, ALEXANDRA

russische Theoretikerin und Politikerin, *1872, 9. März 1952
K. war begeisterte Schriftstellerin und Propagandistin, die sich für die Arbeiterklasse einsetzte. Dabei erkannte sie, daß ihre Partei kaum für die Emanzipation der Frau eintrat. 1915 schloß sie sich den Bolschewisten an, da ihre Einstellung zum Weltkrieg nicht mit der menschewistischen Anschauung übereinstimmte. Für einige Monate wurde sie Volkskommissarin für das soziale Wohl im ersten Kabinett Lenins. Ihre abweichenden Ansichten über den Verlauf der Revolution veranlaßten sie, sich in der oppositionellen Arbeiterpartei zu engagieren.
Als die Opposition nicht mehr agieren konnte, ging K. als Botschafterin erst nach Norwegen, dann nach Schweden und Mexiko.
Die Denkweise K.s unterscheidet sich von der des frühen sozialistischen Feminismus. Anders als dieser versucht sie vor allem, die Beziehungen zwischen der Emanzipation der Frau und dem Sozialismus aufzuzeigen. K. befürwortete die neue Frau: die alleinstehende Frau, die selbstbewußt ihre Individualität neben ihren Beziehungen zu Männern aufrechterhält. Diese Frau ist die Protagonistin einer echten moralischen und sexuellen Revolution, die die bourgeoise Ideologie auf den Kopf zu stellen beginnt. Der Kommunismus wird nach K. nur siegen, wenn es den Frauen gelingt, die Männer zu einer neuen Konzeption der Individualität und der menschlichen Beziehungen zu bewegen.

Werk: Die sozialen Grundlagen der Frauenfrage, 1909; Wer braucht den Krieg, 1915; Die neue Moral und die Arbeiterklasse, 1918; Die Situation der Frau und die Entwicklung der Ökonomie (Seminar in Leningrad), 1921; Die Arbeiteropposition, 1921; Anna Achmatowa: Rhapsodie der neuen Frau, 1923; Brief an die Arbeiterjugend: die proletarische Ideologie und die Liebe, 1923; Autobiographie einer sexuell emanzipierten Frau, 1926;

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon

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