HILDEGARD VON BINGEN

mystische Theologin, *1098 bei Alzey, 1179
Die mittelalterliche Mystikerin, Theologin und Klostergründerin H. war eine der bemerkenswertesten Frauen des Mittelalters. Bereits in jungen Jahren wurde sie als Novizin in einer Frauenklause untergebracht. Als Erwachsene übernahm sie selbst die Leitung der Klause und gründete später mehrere eigene Klöster.
H. hatte bereits früh Visionen mit einem stark prophetischen Charakter. Sie wurde bald sehr bekannt und viele Menschen baten sie um Ratschläge. Später wurde ihre prophetische Gabe auch von hochgestellten Persönlichkeiten beansprucht, Päpste, Könige und Königinnen fragten sie um Rat und korrespondierten mit ihr.
Wie viele andere Kirchenfrauen nach ihr, hat sich H. die Möglichkeit der Vision zunutzte gemacht, um auch im kirchlichen Zusammenhang zu sprechen. Allerdings mußte sie zuerst glaubhaft nachweisen, daß ihre Erscheinungen und Wahrnehmungen göttlichen Ursprungs waren. Aus diesem Grund schrieb sie ihre Visionen nieder, woraus die heute noch überlieferten Werke Scivias (Wisse die Wege), Liber vitae meritorum (Buch der Lebensverdienste) und De operatione Dei (Welt und Mensch) entstanden.

Werk: Teilausgaben in: Migne, Patres Latini 197; J.B. Pitra: Analecta Sacra 8, 1882; Causae et curae, hg.v. P. Kaiser, 1903/1980; Scivias, hg.v. A. Führkötter/A. Carlevaris, Corpus Christianorum continuatio mediaevalis (CCCM) 43, 43A, 1978; Vita sanctae Hildegardis, hg.v. M. Claes, CCCM 126, 1993; Epistolarium p.1, hg.v. L. van Acker, CCCM 91A, 1991/1993; Liber vitae meritorum, hg.v. A. Carlevaris, CCCM 90, 1995; Heilkunde, 1957; Briefwechsel, 1965; Welt und Mensch, 1965; Lieder, hg.v. P. Barth, 1969; Der Mensch in der Verantwortung (L. vitae meritorum), 1972; Wisse die Wege, 1990; Das Buch von den Steinen, 1979; Naturkunde, 1980.

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon, Die Welt der Philosophin I

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