D’ARAGONA, TULLIA

italienische Dichterin und Philosophin, *1508/10 in Rom, †1556
In jungen Jahren war D. ein gefeiertes Wunderkind, später eine der berühmtesten Kurtisanen der Renaissance. Ihre umfangreiche Bildung umfaßte Literatur, Philosophie und mehrere Sprachen. Bekanntestes Werk ist der Dialog Über die Unendlichkeit der Liebe.
Inhaltlich greift D. die Frage nach dem Schönen und Guten in Verbindung mit der Liebe auf. Sie reflektiert in platonischer Manier auf das Verhältnis zwischen geliebtem und liebendem Teil. Ansatzpunkt ist die Frage, ob Liebe unendlich sein müsse, oder ob es möglich sei, mit Maß und Grenze zu lieben.
D. resümiert schließlich, daß es zwei Arten von Liebe gebe. Die erstere Form wird durch das Verlangen hervorgerufen, den Gegenstand der Leidenschaft zu besitzen. Diese Liebenden vergleicht D. mit wilden Tieren, die nur nach ihren Leidenschaften leben. Die ehrenvolle und tugendhafte Liebe dagegen gesteht sie nur edlen Geistern zu. Sie zeichnen sich durch „Tugend und Adel der Gesinnung“ aus. Eine solche Liebe wird nicht durch Leidenschaften hervorgerufen, sondern durch die Vernunft.

Werk: Dialogo dell’Infinita’ d’Amore, Rime, 1547; Über die Unsterblichkeit der Liebe, 1988.

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon, Die Welt der Philosophin II

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