CORNARO PISCOPIA, ELENA LUCREZIA

italienische Gelehrte, *1646 in Venedig, †1684
C. gehörte dem Benediktinerorden an, jedoch ohne als Nonne ins Kloster zu gehen. Seit ihrem siebten Lebensjahr wurde C. privat in den alten und modernen Sprachen und den ‘freien Künsten’ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) unterrichtet. Sie lernte Latein, Griechisch, Hebräisch, Arabisch, Chaldäisch sowie Französisch, Englisch und Spanisch; außerdem studierte sie Theologie und aristotelische Philosophie.
Ihre Fähigkeiten demonstrierte C. in akademischen Debatten im Haus ihres Vaters. Auch das Kollegium der Universität und die meisten Mitglieder des Senats bestaunten C. als ungewöhnliches Beispiel venetianischer Weiblichkeit. C.s Vater beantragte daraufhin für seine Tochter die Zulassung zum Doktorexamen in Theologie. Seine Anfrage wurde mit der Begründung abgelehnt, die ‘laurea’ schlösse die kirchliche Lehrerlaubnis ein. Diese müsse den Frauen aber verwehrt werden. Als Kompromiß wurde C. die Prüfung im Fach Philosophie vorgeschlagen. Am 25. Juni 1678 erhielt sie als erste Frau den Doktortitel in Philosophie. Sie hatte je eine These aus der aristotelischen Logik und Physik, die ihr am Tag vorher angezeigt worden waren, mit Erfolg verteidigt.
C. nahm niemals eine Lehrtätigkeit auf und hinterließ keine Schriften größeren Umfangs. Ihre Werke bestehen hauptsächlich aus Reden, Briefen und Gedichten in Italienisch und Latein. Ihre große Bedeutung für die Frauen liegt darin, daß sie einen Präzedenzfall schuf, indem sie ihre geistigen Fähigkeiten akademisch sanktionieren ließ.

Werk: Helenae Lucretiae (quae et Scholastica) Corneliae Piscopiae…Opera quae quidem haberi potuerunt, hg.v. B. Bacchini, 1688 (mit Biographie).

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon 

Zurück zu C                                                                                  Weiter