CONRAD-MARTIUS, HEDWIG

deutsche Phänomenologin, *1888, 1966
C. gehörte zu den ersten Frauen, die in Deutschland ein Universitätsstudium aufnahmen; sie studierte bei Husserl. C. zählt zu den wichtigsten Mitgliedern der phänomenologischen Bewegung in Deutschland.
1912 wurde ihre Arbeit Über die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus von der Philosophischen Fakultät Göttingen preisgekrönt und von Alexander Pfänder in München als Dissertation angenommen. Eine akademische Karriere war damals für eine Frau aufgrund der fehlenden Habilitationsmöglichkeiten auch ihre Kolleginnen Edith Stein und Gerda Walther hatten darunter zu leiden noch unmöglich. Erst 1955 erhielt sie eine Honorarprofessur für Philosophie. Im Laufe zunehmender Publikationstätigkeit gelang ihr in den fünfziger Jahren der Durchbruch zu weitreichenderer Beachtung und Öffentlichkeitswirksamkeit.
C. sieht es als Aufgabe der Phänomenologie, nicht die Dinge zu belehren, sondern ihnen zuzuhören, sich von ihnen belehren zu lassen. Kernstück ihres Werkes ist eine Ontologie des Realen, die als Fundament für Untersuchungen zur Naturphilosophie, Kosmologie, Anthropologie, Zeit und Raum dient. Darüberhinaus werden in ihrer Philosophie erkenntnistheoretische Fragen, Probleme der Ästhetik, Sprache und Logik behandelt.

Werk: Zur Ontologie und Erscheinungslehre der realen Außenwelt, 1916; Die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus, 1920; Realontologie, 1924; Ursprung und Aufbau des lebendigen Kosmos, 1938; Der Selbstaufbau der Natur, 1944; Naturwissenschaftlich-metaphysische Perspektiven, 1948; Bios und Psyche, 1949; Die Zeit, 1954; Utopien der Menschenzüchtung, 1955; Das Sein, 1957; Der Raum, 1958; Die Geistseele des Menschen, 1960; Schriften zur Philosophie, 3 Bde, 19631965; Vorwort zu A. Reinach: Gesammelte Werke, 1921; Vorwort zu A. Reinach: Was ist Phänomenologie, 1951.

Weiterführende Literatur:  Philosophinnen-Lexikon,  Die Welt der Philosophin IV

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