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Philosophin des Monats Februar

         Laura Bassi

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Eine Frau, Professorin an einer Universität, heute ganz normal, im 18. Jahrhundert grenzte das an ein Weltwunder. Und so hat Laura Bassi wahrscheinlich auch auf viele gewirkt, Männer und Frauen.  Eine außergewöhnliche Begabung war sie auf jeden Fall, als Philosophin und als Naturwissenschaftlerin. Zeitgenossen sagten von ihr, sie sei mit einer Seele und einem Geist ausgestattet, der weit über dem normaler Sterblicher lag.

Bevor sie sich der Physik zuwandte, hat Bassi mit der  Verteidigung ihrer 49 Thesen von sich reden gemacht. Diese Thesen zur Metaphysik, zur Physik und zum Menschen verteidigte sie vor einem wissenschaftlichen Gremium und erhielt dafür die Anerkennung der gelehrten Welt. Sie bezieht sich inhaltlich vor allem auf Aristoteles, und Rene Descartes, den sie aber auch kritisiert  hat.

Leseprobe aus Ursula I. Meyer: Aufklärerinnen, Aachen 2009, S. 175ff

Eine Ausnahmefrau und Vorbild der besonderen Art war die Philosophin und Naturwissenschaftlerin Laura Bassi (*1711, †1778). Sie wurde 1732 zur Professorin an der Universität in Bologna ernannt. Doch diese Anerkennung war auch hart erarbeitet und verdient. Logik, Metaphysik und Naturphilosophie waren ihre Themen und wie gut sie sich darin auskannte, zeigte sich, als sie im Alter von 21 Jahren an einer öffentlichen Diskussion über Philosophie teilnahm. Anwesend waren gelehrte Männer aus Bologna, wie Kardinal Grimaldi und Kardinal Erzbischof Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. So sah sich die junge Frau fünf der gelehrtesten Männer ihrer Zeit gegenüber. Doch sie war ihnen völlig ebenbürtig und ihre Argumente brachten ihr viel Bewunderung ein, auch von Lambertini.
Vor ihnen verteidigte sie von ihr aufgestellte Thesen gegen kritische Einwürfe. Diese Philosophica studia bestehen aus 49 Thesen zur Logik, zur Metaphysik (Sein/Ursachen/Gott/Engel), zur Physik (Materie/Bewegung/Naturerscheinungen auf der Erde) und zum Menschen. Ihre metaphysischen Thesen sind wesentlich von Aristoteles beeinflusst. Erkenntnistheoretisch knüpft Bassi aber auch an Descartes an. In den naturphilosophischen Teil über die Materie in physikalischer, chemischer und biologischer Hinsicht, die Bewegung und die Gravitation gehen auch Newtons Auffassungen ein. Die Physiologie des Menschen sowie die Funktion seiner Sinnesorgane versucht Bassi mechanistisch zu erklären. Trotzdem lehnt sie die cartesianische Trennung von Leib und Seele ab.
Kurz nach dieser Diskussion trat sie als Kandidatin für das Doktorat an der Universität in Bologna zur Prüfung an. Auch hier machte sie einen so guten Eindruck, dass man ihr schließlich einen Lehrstuhl anbot. So nahm Bassi als Professorin ihre Lehrtätigkeit an der Universität auf. In ihrem Spezialgebiet, der Experimentalphysik, galt sie als Kapazität. Ihre Lesungen wurden mit Aufmerksamkeit verfolgt und sie hatte Studenten aus allen Teilen Europas, vor allem bei griechischen, deutschen und polnischen Studenten war sie beliebt. Sie stand im ständigen Briefwechsel mit den berühmtesten europäischen Wissenschaftlern ihrer Zeit. Dass sie in akademischen Kreisen hohes Ansehen genoss und über einen bedeutenden Einfluss verfügte, wird z.B. an Voltaires Anfrage deutlich, mit der er sich für ihre Aufnahme in die renommierte Accademia delle Scienze di Bologna einsetzte und diese auch erreichte.
Bassi wurde von allen bewundert und man verglich sie mit der antiken Arete, von der es heißt, sie sei mit einer Seele und einem Geist ausgestattet gewesen, der weit über dem normaler Sterblicher lag. Die Ehrung und Vergöttlichung, die viele gelehrte Frauen erfahren haben, ist allerdings auch eine Möglichkeit, die ganz »normalen« Frauen herabzusetzen. Denn wenn gelehrte Frauen wie Bassi einen Touch des Überirdischen hatten, konnte man alle anderen Frauen weiterhin als dumm und unvernünftig hinstellen.
Mit ihrer Arbeit stellte Bassi die Männer in den Schatten, doch sie übernahm außerdem die typische Frauenrolle. Sie war auch ausgesprochen religiös, versuchte den Armen zu helfen und brachte acht Kinder (andere Quellen sagen 12) zur Welt. Und was für die gelehrte Männerwelt besonders wichtig war, sie ließ es nie zu, dass ihre wissenschaftliche Arbeit dazu führte, dass sie ihre häuslichen Pflichten vernachlässigte. So entkräftete sie die meisten Vorurteile, die gelehrten Frauen gegenüber vorgebracht wurden. Sie war aber auch ein Vorbild für andere Frauen, denn sie zeigte, dass sich höhere Bildung und klassische weibliche Aufgaben durchaus kombinieren ließen.
 1755 gründete Bassi eine Schule für Experimentalphysik, an der nicht nur junge Leute studierten, sondern auch andere Naturwissenschaftler, wie der Biologe Spallanzani (er hat nachgewiesen, dass in abgekochtem und vor Berührung mit atmosphärischer Luft geschütztem Wasser keine Mikroorganismen entstehen) und der Physiker Volta (ihm gelangen bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrizität sowie die Konstruktion verschiedener elektrischer Geräte).
Bassi wurde vor allem durch ihre Arbeiten über Mechanik bekannt. Aufgrund deren wurde sie in die Akademie von Bologna aufgenommen. Sie musste wie alle Mitglieder jährlich eine Forschungsarbeit vorlegen: Über den Luftdruck 1746, Über Luftblasen in frei fließenden Gewässern, 1747, Über Luftblasen, die aus Flüssigkeiten aufsteigen, 1748. Außerdem erhielt sie ein kleines Stipendium. Um ihre Forschungen durchführen zu können, entwickelte sie Vorrichtungen für ihre Experimente mit elektrischen Phänomenen. 1776 übernahm sie den Lehrstuhl für Physik.
Von der wissenschaftsgeschichtlichen Forschung wird die Leistung Bassis immer noch in Frage gestellt. Es wurde sogar in einer modernen Veröffentlichung angezweifelt, ob sie wirklich gelehrt habe. Die Tatsache, dass sie die wissenschaftliche Gemeinschaft mit ihren Vorlesungen in Experimentalphysik, die sie dreißig Jahre lang abhielt, immer wieder in Erstaunen versetzte, zählt nicht. Obwohl die Veranstaltungen in ihrem eigenen Wohnzimmer statt fanden, waren sie doch offizieller Natur und sie wurde dafür bezahlt. Und die Vermischung von universitärer Arbeit und privatem Rahmen war ja damals durchaus üblich. Anscheinend ist aber eine solche Frau für Autoren noch heute eine so große Gefährdung ihrer männlichen Überlegenheit, dass sie sie noch immer nicht anerkennen können.hat.



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